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Sicherheitsserie: Diese Notsignale an Bord retten dir das Leben

  • Autorenbild: ONWATER
    ONWATER
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

Stell dir vor, du bist auf dem Wasser und plötzlich tritt eine kritische Situation ein: Wassereinbruch, ein Brand oder ein medizinischer Notfall. Jetzt zählt jede Sekunde. Doch weißt du im Eifer des Gefechts auch, welches Notsignal du wann einsetzen musst?

In unserer Fortsetzung der Sicherheitsserie zeigen wir dir, wie du Notsignale an Bord professionell einsetzt, damit die Rettungskette ohne Verzögerung anläuft.


Personen mit ausgestreckten Armen und Leuchtraketen
Teilnehmer/-innen der ONWATER Boat Days üben den Einsatz von Leuchtraketen.


Die Goldene Regel für den Notsignale-Einsatz: Nur bei „Gefahr für Leib und Leben“


Bevor wir zu den Werkzeugen kommen, eine wichtige rechtliche Einordnung: Notsignale dürfen ausschließlich dann verwendet werden, wenn eine unmittelbare Gefahr für das Schiff oder die Personen an Bord besteht und fremde Hilfe angefordert werden muss. Der Missbrauch von Notsignalen ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat.


1. Pyrotechnische Signale: Sichtbarkeit über weite Distanzen


Pyrotechnik ist der Klassiker der Seenotrettung. Je nach Tageszeit und Entfernung gibt es unterschiedliche Mittel:


  • Rote Leuchtraketen: Sie steigen bis zu 300 Meter hoch und sind weit über den Horizont hinaus sichtbar. Ideal, um Schiffe in großer Entfernung auf sich aufmerksam zu machen.

  • Rote Handfackeln: Sie brennen extrem hell und dienen vor allem der Nahbereichseinweisung. Wenn du den Retter bereits siehst, zeigst du ihm hiermit deine exakte Position.

  • Orangerauch-Signale: Da Lichtsignale bei hellem Sonnenschein schwerer zu sehen sind, nutzt man tagsüber dichten orangen Rauch. Er ist für Hubschrauberbesatzungen besonders gut erkennbar.


Wichtig: Halte Pyrotechnik immer in Richtung Lee (mit dem Rücken zum Wind), damit Rauch und Funken nicht zu dir an Bord geweht werden.


2. Funk und Elektronik: Die unsichtbaren Lebensretter


In der modernen Seefahrt sind digitale Signale oft der schnellste Weg zu den Rettungsleitstellen (wie der DGzRS in Deutschland).


  • DSC-Notruf (Digital Selective Calling): Ein Knopfdruck an deinem UKW-Funkgerät genügt. Wenn dein Funkgerät mit dem GPS verbunden ist, sendet es automatisch deine Position und Identität (MMSI) an alle Schiffe im Umkreis.

  • Mayday-Ruf: Nach dem digitalen Alarm folgt der klassische Sprechfunk auf Kanal 16. Merke dir das Schema: „Mayday, Mayday, Mayday“ – Schiffname – Position – Art des Notfalls – Anzahl der Personen.

  • EPIRB & PLB: Diese Notfunken senden ein Signal via Satellit direkt an die Rettungskoordinationszentren. Eine EPIRB gehört zum Schiff, ein PLB (Personal Locator Beacon) trägst du an deiner Rettungsweste.

  • Schallsignale: Dauerton eines Nebelsignalgerätes oder Knallsignale in Abständen von ca. 1 Minute.


3. Akustische und optische Notsignale


Wenn die Technik versagt, helfen klassische Methoden, um auf eine Notlage an Bord aufmerksam zu machen:


  • Flagge "NC" (November/Charlie) zeigen

  • Ein Ball über/unter einem quadratischen Flaggenzeichen

  • SOS (kurz-kurz-kurz, lang-lang-lang, kurz-kurz-kurz) mit einer Taschenlampe oder einem Spiegel.

  • Das langsame Heben und Senken der seitlich ausgestreckten Arme ist das internationale Zeichen für Seenot.


Welche Signale bei welchem Bootstyp?


Damit du im Notfall nicht erst die Bedienungsanleitung suchen musst, informiere dich im Vorfeld. Hier findest du eine Übersicht, welches Notsignal sich für welchen Bootstyp oder welches Revier eignet:


Bei küstennahen Fahrten und Binnengewässern (Segler/Motorboot) eignen sich Handfackeln und Rauchsignale. Sie sind handlich, ermöglichen eine schnelle Signalgebung am Tag (Rauch) oder bei Nacht (Fackel). Gängig sind Pfeife, Glocke oder Gong. Natürlich funktionieren auch SOS und Mayday per Handzeichen und je nach Austattung des Boots auch per Funk.


Bei Langstreckenfahrten auf Hochsee und Blauwasser sind Signalpistolen (Achtung, hier wird ein FKN-Pyroschein benötigt!), Fallschirmraketen oder Leuchtraketen besser, da sie eine hohe Reichweite haben und auch nachts gut gesehen werden. Für jeden Hochseesegler ein Muss ist außerdem die EPIRB (Notfunkbare). Sie sendet automatisch ein Signal an Rettungsdienste, auch wenn das Boot sinkt.


Ideal für Einhandsegler oder kleine Crew sind PLB (Personal Locator Beacon), die am Körper/in der Weste getragen werden können.

Signalmittel

Einsatzzeitraum

Besonderheit

Rakete (Rot)

Nacht/Dämmerung

Große Reichweite

Handfackel (Rot)

Nahbereich

Verbrennungsgefahr beachten

Rauch (Orange)

Nur tagsüber

Windrichtung prüfen

DSC / Funk

Jederzeit

Batteriestand checken


Fazit: Die Signale müssen sitzen


Notsignale sind deine Lebensversicherung. Hier mit Halbwissen zu agieren, kann im schlimmsten Fall Leben kosten. Sei hier also vorsichtig statt nachlässig und bereite dich vor. Schau, dass alle nötigen Notsignale an Bord sind. Achte darauf, dass dein Equipment das Ablaufdatum nicht überschritten hat und alle Crewmitglieder wissen, wo die Notfalltasche (Grab Bag) lagert und wie sie Signale eingsetzt werden. Im Idealfall übst du den Einsatz schon mal in einem geschützen Raum. So wie letztes Jahr die Teilnehmer und Teilnehmerinnen an den ONWATER Boat Days in Düsseldorf - einem eintägigen Seminar zu Sicherheit an Bord.


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